Armut in Frankfurt

‚Brot & Salz‘ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Christlichen Zentrums Frankfurt e.V., der GFFB gGmbH und des Sozialbezirksvorstehers Fechenheim Nord. Die Idee hinter ‚Brot & Salz‘ ist einfach: Nicht mehr verkaufsfähige Lebensmittel werden vor der sinnlosen Vernichtung bewahrt und an Menschen in schwierigen Lebenssituationen weitergeleitet.

Nachbarn von mir engagieren sich in diesem Projekt und verschafften mir die Gelegenheit, bei einer Lebensmittelausgabe dabei zu sein und Fotos zu machen. Es versteht sich von selbst, dass ich die Menschen selbst, die dort Essen abholen, nicht fotografiert habe. Das gebietet einfach der Respekt. Ich hatte mir darüber schon zuvor Gedanken gemacht und die Idee entwickelt, Hände zu fotografieren – die gebenden und die empfangenden.

Die ehrenamtlichen Helferinnen erklärten dies auch ihren „Kunden“. Trotzdem wurde ich von vielen misstrauisch beobachtet, als ich dort mit meiner Kamera stand und musste oft noch einmal im persönlichen Gespräch versichern, dass niemand auf den Bildern zu erkennen ist. Dabei habe ich den Gesprächspartnern die zuvor gemachten Bilder auf dem Display gezeigt, was vertrauensbildend wirkte.

Das Misstrauen war für mich absolut nachvollziehbar. Ich denke, die Essensausgabe findet aus gutem Grund nicht im Wohngebiet statt, weil die Hilfsbedürftigen dann von zu vielen anderen, womöglich Nachbarn und Bekannten, gesehen würden. Es war sehr deutlich zu spüren, dass viele sich für ihre Armut schämen (dabei sollten sich unsere Politiker und Wirtschaftsbosse schämen!) und ihre Lebensmitteltüten in Aktentaschen o. ä. verpackten, damit niemand sie sehen kann.

Was mich am meisten betroffen machte: Es handelte sich zu über 90 % nicht um Menschen, die erkennbar obdachlos und/oder drogenabhängig sind, sondern solche, denen man ihre Armut nicht ansieht, darunter viele Mütter mit Kindern und alte Menschen – die Schere zwischen Arm und Reich hat sich in Deutschland immer weiter geöffnet und es kann jeden treffen, der nicht über Vermögen verfügt.

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